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Nosferatu-Spinne: Arten & Taxonomie

Die Familie Zoropsidae, die Gattung Zoropsis und alle wichtigen verwandten Arten im wissenschaftlichen Überblick.

Inhaltsverzeichnis
  1. Wissenschaftliche Einordnung
  2. Familie Zoropsidae
  3. Die Gattung Zoropsis
  4. Zoropsis spinimana – Die Nosferatu-Spinne
  5. Verwandte Zoropsis-Arten
  6. Verwechslungsarten in Deutschland
  7. Vergleichstabelle

Wissenschaftliche Einordnung

Die Nosferatu-Spinne ist zoologisch eindeutig eingeordnet. Ihre Zugehörigkeit zur Familie Zoropsidae wurde durch molekulare Studien bestätigt, auch wenn sie äußerlich stark an Wolfsspinnen (Lycosidae) erinnert.

Taxonomische EbeneName
ReichAnimalia (Tiere)
StammArthropoda (Gliederfüßer)
KlasseArachnida (Spinnentiere)
OrdnungAraneae (Spinnen)
UnterordnungAraneomorphae (Echte Webspinnen)
FamilieZoropsidae Bertkau, 1882
GattungZoropsis Simon, 1878
ArtZoropsis spinimana (Dufour, 1820)

Besonders die Umgliederung von der Familie Lycosidae in die Zoropsidae ist wissenschaftlich bedeutsam. Äußerlich sind die Gemeinsamkeiten mit Wolfsspinnen tatsächlich frappierend – beide Gruppen haben ähnliche Körperproportionen, eine ähnliche Färbung und ähnliche Jagdstrategien. Dennoch zeigen genetische und anatomische Merkmale deutliche Unterschiede.

Familie Zoropsidae – „Falsche Wolfsspinnen"

Die Familie Zoropsidae umfasst weltweit ca. 180 beschriebene Arten in rund 15 Gattungen. Sie sind vor allem in tropischen und subtropischen Regionen verbreitet, mit Schwerpunkten in Südamerika, Afrika, Südostasien und der Mittelmeerregion.

In Europa kommen nur zwei Gattungen der Zoropsidae vor: Zoropsis und Titanoeca. Die Zoropsidae werden im englischsprachigen Raum als „false wolf spiders" oder „woolly spiders" bezeichnet.

Gemeinsame Merkmale der Zoropsidae:

  • Acht Augen in zwei Reihen (2-4-2-Anordnung)
  • Dichte Scopulae (Hafthaare) an den Fußspitzen – erlauben Klettern an glatten Flächen
  • Kein klassisches Fangnetz; aktive Jäger oder Lauerjäger
  • Ausgeprägte Cheliceren (Beißwerkzeuge)
  • Verhalten ähnlich wie Wolfsspinnen

Die Gattung Zoropsis

Die Gattung Zoropsis wurde 1878 von Eugène Simon beschrieben. Sie umfasst ca. 20 Arten, die vor allem im Mittelmeerraum und in Asien vorkommen. In Europa sind drei Arten relevant:

  • Zoropsis spinimana – die bekannteste Art, in ganz Westeuropa verbreitet
  • Zoropsis rufipes – eine kleinere, seltenere Mittelmeerart
  • Zoropsis media – ebenfalls mediterran, sehr selten in Mitteleuropa

Zoropsis spinimana – Die Nosferatu-Spinne im Detail

Die Typusart der Nosferatu-Spinne ist die einzige Art der Gattung Zoropsis, die sich dauerhaft in Mitteleuropa etabliert hat. Einige ihrer besonderen Eigenschaften:

Sexualdimorphismus

Wie bei vielen Spinnenarten gibt es deutliche Größenunterschiede zwischen den Geschlechtern:

14–22 mm
Körperlänge Weibchen
10–15 mm
Körperlänge Männchen
bis 7 cm
Spannweite Weibchen
bis 5 cm
Spannweite Männchen

Weibchen sind also deutlich größer als Männchen. Das ist typisch für Spinnen und hängt damit zusammen, dass Weibchen größere Energiereserven für die Eierproduktion und den Kokontransport benötigen.

Lebenszyklus

Der Lebenszyklus von Zoropsis spinimana verläuft über mehrere Jahre:

  • Eiablage: Das Weibchen legt einen seidenumhüllten Kokon mit ca. 100–200 Eiern. Es bewacht diesen aktiv.
  • Schlupf: Nach 4–6 Wochen schlüpfen die Jungspinnen und verbleiben noch einige Zeit beim Weibchen.
  • Juvenile Phase: Jungspinnen häuten sich mehrfach und wachsen über 1–2 Jahre heran.
  • Geschlechtsreife: Nach 2 Jahren bei Weibchen, nach 1–1,5 Jahren bei Männchen.
  • Paarung: Hauptsächlich im Herbst (September–November).
  • Lebensdauer ♀: 3–4 Jahre; ♂: sterben oft kurz nach der Paarung (1–2 Jahre).

Jagdverhalten

Zoropsis spinimana ist ein aktiver Jäger, der kein klassisches Radnetz baut. Sie nutzt verschiedene Jagdstrategien:

  • Aktive Jagd: Nachts streift sie auf der Suche nach Beute umher (Insekten, andere Spinnen, kleine Wirbellose).
  • Seidenfallen: Sie legt unregelmäßige Seidenstrukturen auf Oberflächen aus, die als Stolperfallen für Insekten dienen.
  • Versteckt lauern: Tagsüber hält sie sich in einem seidenausgekleideten Schlupfwinkel versteckt und wartet auf passende Beute.

Dank ihrer Scopulae (Hafthaare an den Fußenden) kann sie problemlos an glatten Wänden und sogar Fensterscheiben entlanglaufen – was bei Begegnungen im Haus besonders auffällt.

Verwandte Zoropsis-Arten

Zoropsis rufipes (Blackwall, 1833)

Die Rotbein-Zoropsis ist die zweithäufigste Zoropsis-Art Europas. Sie ist etwas kleiner als Z. spinimana (Weibchen 12–18 mm) und hat – wie der Name andeutet – deutlich rötlichere Beine. Ihr Verbreitungsgebiet ist stärker auf den westlichen Mittelmeerraum beschränkt (Iberische Halbinsel, Südfrankreich, Marokko). In Deutschland ist sie bislang kaum oder gar nicht etabliert.

Zoropsis media (Kulczynski, 1897)

Eine kleinere mediterrane Art (Weibchen 10–15 mm), die in Südosteuropa, der Türkei und im Nahen Osten vorkommt. In Mitteleuropa ist sie nicht zu erwarten.

Weitere Zoropsis-Arten weltweit

Die übrigen Arten der Gattung Zoropsis kommen hauptsächlich in Asien vor (China, Japan, Indien, Südostasien) und spielen für Mitteleuropa keine Rolle.

Verwechslungsarten in Deutschland

Die Nosferatu-Spinne wird häufig mit anderen großen, braunen Spinnen verwechselt. Die häufigsten Verwechslungsarten:

Eratigena atrica / Tegenaria atrica – Große Kellerspinne

Die Große Kellerspinne ist die häufigste Verwechslungsart. Sie ist ebenfalls groß (bis 18 mm Körperlänge), braun und erscheint oft im Haus. Unterschiede:

  • Die Kellerspinne baut ein trichterförmiges Fangnetz – die Nosferatu-Spinne nicht.
  • Kellerspinnen haben eine schlankere Körperform und längere Beine im Verhältnis zum Körper.
  • Das Hinterleibs-Muster der Kellerspinne besteht aus einer klaren Reihe heller Flecken auf der Mittellinie – das „Gesichtsmuster" fehlt.
  • Kellerspinnen können keine Glasscheiben hochlaufen (keine Scopulae).

Agelena labyrinthica – Labyrinthspinne

Baut ausgedehnte, flache Labyrinthe im Gras oder niedriger Vegetation. Sie ist kleiner (8–12 mm) und baut klar erkennbare Netze.

Dolomedes sp. – Listspinnen / Wasserspinnen

Große Spinnen, die oft an Gewässern leben. Typisch sind die weißlichen Längsstreifen an den Seiten. Sie kommen selten in Häusern vor.

Lycosa sp. / Trochosa sp. – Wolfsspinnen

Ähnliche Körperform wie Zoropsis, aber Wolfsspinnen laufen frei auf dem Boden und tragen ihr Eikokon am Hinterleib befestigt. Keine Scopulae.

✅ Sicheres Erkennungsmerkmal

Kann die Spinne glatte Glasscheiben hochlaufen? Dann ist es sehr wahrscheinlich eine Nosferatu-Spinne – andere häufige Haushaltsarten in Deutschland können das nicht! Mehr Details auf unserer Bestimmungsseite.

Vergleichstabelle: Nosferatu-Spinne vs. Verwechslungsarten

MerkmalZ. spinimanaKellerspinneWolfsspinne
Körperlänge ♀14–22 mm12–18 mm8–20 mm
FangnetzKeinesTrichternetzKeines
Glatte Wände✅ Ja (Scopulae)❌ Nein❌ Nein
Hinterleibs-Muster„Gesicht"-Musterhelle MittelfleckenLängsbinden
Beinekräftig, bestacheltsehr lang, schlankkräftig
AktivitätNachtNachtTag & Nacht
Biss möglich?Ja, seltenSeltenJa
In HäusernHäufig (Herbst)Sehr häufigSelten

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🔗 Externe Quelle

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Klasse: Arachnida
Ordnung: Araneae
Familie: Zoropsidae
Gattung: Zoropsis
Art: Z. spinimana
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